Wieso nicht einfach mal die Fresse halten?

Not my Bundesinnenminister

Bayern, meine wunderbare Heimat. Der weißblaue Himmel, die gelebte Gemütlichkeit, das wunderschöne München und das bayerische Bier. Oftmals wird einem diese Verbundenheit erst bewusst, wenn tausende Kilometer zwischen einem selbst und der Heimat liegen. Einen Teil Bayerns werde ich aber sicher niemals vermissen: die CSU. Das Akronym soll eigentlich  für Christlich Soziale Union stehen. Ich würde gerne für eine Namensänderung plädieren: die CAU – die Christlich Asoziale Union.

Gut, dass wir das auch geklärt haben.

Kaum ein paar Tage im Amt, posaunte Horst Seehofer,  Deutschlands oberster Heimatmuseumsdirektor, mit arroganter Selbstverständlichkeit: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Genau eine Stammtischrunde später und die sprechende Verkehrsmaut Alexander Dobrindt vermochte die Aussagen noch zu steigern. Dieser sprang seinem ehemaligen Ministerpräsident in gewohnter Form zur Seite und entgegnete „Der Islam gehört egal in welcher Form nicht zu Deutschland“. Gut, dass wir das auch geklärt haben.

Zunächst frage ich mich wer den beiden wandelnden Gehstützen die Berechtigung erteilt hat, mir vorzuschreiben was zu uns gehört und was nicht. Wir leben in einem säkularen Staat. Theoretisch sollten somit Kirche und Staat getrennt sein. Deshalb obliegt es in keinster Weise den Aufgaben eines Bundesministers sich über die Zugehörigkeit einer Religion zum Land zu äußern. „Du bist Deutschland“ entgegnete es uns noch vor ein paar Jahren aus dem Fernsehspot im Auftrag der damaligen Bundesregierung. Waren wir nicht alle Deutschland? Scheinbar nur so lange wir den gleichen Glauben haben. Vielfalt und Religionsfreiheit hat scheinbar dort ihre Grenzen, wo auch tatsächlich andere Religionen ins Spiel kommen.

Ich möchte nicht hören wer zu Deutschland gehört und wer nicht.

Nicht nur, dass die Behauptung von Horst Seehofer fremdenfeindlich und jeglichem Recht auf Religionsfreiheit widerspricht. Sie ist auch völlig absurd. Seehofer erscheint mir immer öfter wie ein alter greiser Mann, welcher einfach nicht wahrhaben möchte, dass sich die Welt um ihn herum verändert. Ich möchte nicht von rückwärtsgewandten Politkern regiert werden, welche die Augen vor der Realität verschließen. Ich möchte nicht hören wer zu Deutschland gehört und wer nicht. Ich möchte agierende und nicht reagierende Politiker, welche sich dem aktuellen Gesellschaftsbild stellen und Lösungen für strukturelle Probleme finden.

In Deutschland leben mittlerweile 4,4 bis 4,7 Millionen Muslime, mit steigender Tendenz. Die CSU sieht hierin den Untergang des christlichen Abendlandes. Ich versuche mich gerade daran zu erinnern, ob mich meine türkischen Freunde jemals in eine Moschee ziehen wollten. Oder ob arabische Bekannte mir auf offener Straße jemals das eisgekühlte Augustiner aus der Hand geschlagen haben, beziehungsweise meiner weiblichen Begleitung das Tragen eines Kopftuches nahegelegt wurde. Dazu versuche ich mich an ein einziges Mal zu erinnern, dass ich in München-Sendling morgens vom Muezzin geweckt wurde. Ich zähle nach doppelter Überprüfung genau 0 (in Worten: null) solcher Tatbestände. Diese Aussage bringt nur einen Sachverhalt wieder zu Tage: Die Angst des alten weißen Mannes vor allem Fremden und vor jeglicher Veränderung.

Wo genau beginnt und endet dann die Religionsfreiheit?

Die Absurdität der Aussage ist kaum zu übertreffen. Wird sie aber doch durch die verletzende Wirkung auf die in unserem Land lebenden Muslime. Denn die ergänzende Aussage Seehofers, liefert sich mit seiner oben genannten Aussage ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Auszeichnung als größter Blödsinn des Jahres 2018. Seehofer erläuterte weiter, der Islam gehöre zwar nicht zu Deutschland, die in Deutschland lebenden Muslime aber schon. Welch absurde Behauptung. Wie soll eine Trennung des Gläubigen von seinem Glauben erfolgen? Wo genau beginnt und endet dann die Religionsfreiheit? In Bayern vermutlich beim evangelisch-christlichen Glauben.

Wenn ein Innenminister der Bundesrepublik Deutschland die Spaltung einer Gesellschaft nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern diese auch selbst vorantreibt, leben wir wieder in Zeiten in denen sich in Deutschland für den Umgang mit Andersgläubigen geschämt werden muss. Für mich gehört jeder in Deutschland lebende Mensch zu Deutschland, welcher sich an gültiges Recht hält und anständig mit seinen Mitmenschen umgeht. Glaube, Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Alter spielen dabei keine Rolle. Dies sollte es für Politiker eigentlich auch nicht.