Eine Ode an die Klassik

Anfang und Ende aller Musik

Bing. WhatsApp Nachricht. Bing. Instagram Benachrichtigung. Bing. Tinder Match. Bing. Neue Email-Nachricht. Bing. Snap. So geht das bei den meisten von uns den ganzen Tag. Das Smartphone ist der Mittelpunkt jeglicher Kommunikation. Vielleicht sogar der Mittelpunkt des Tages. Die meisten von uns können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Einer Studie der Marketing-Agentur Tecmark zufolge, greifen wir im Schnitt 1.500 mal in der Woche zum Smartphone. Das sind 214 mal pro Tag. Grundsätzlich ist das auch gar nicht schlimm, verbindet das Smartphone doch viele Nutzungen wofür es noch vor Jahren mehrere verschiedene technische Geräte gebraucht hat. Auch hat das Smartphone vieles im alltäglichen Leben erleichtert, sei es Musik hören, navigieren, kommunizieren oder auch nur Selfies mit Hundeohren verschicken. Besonders Letzeres war noch vor Jahren nur mit einiger vorhergehender Planung und Vorbereitung für mich möglich. Doch bewirkt das Smartphone etwas, das wir unter Umständen gar nicht bewusst wahrnehmen. Wir konsumieren ständig. Es gibt keinen Moment der wirklichen Ruhe mehr. Oder wann habt ihr das letzte Mal nichts gemacht? Absolut gar nichts?

Ich bin in diesem Blogartikel selbstkritisch. Auch ich nutze mein Smartphone sehr viel und möchte ständig erreichbar sein und nichts verpassen. Sitze ich in der S-Bahn oder warte auf den Bus, dann checke ich noch schnell Instagram oder meine WhatsApp Nachrichten. Zwar hat dies bisher keine negativen Auswirkungen, aber es fällt mir zumindest auf. Doch vor einiger Zeit entdeckte ich etwas wieder das mir beim absoluten Abschalten und Nichtstun hilft: klassische Musik.

Das Werk eines Genies

Tokat, Kopf ab, Mortal Kombat, Vollkontakt a la Ong-Bak, komm ran. Ich höre gerne Deutsch-Rap. Mein iPhone ist voll mit Classic-Rock von Tom Petty, Bruce Springsteen oder Queen. Austro-Pop hat noch jede Fahrt in die Berge zu einem Erlebnis gemacht und jede neue Indieband muss erst einmal auf Herz und Nieren geprüft werden. Allerdings löst keine dieser Musikrichtungen und keiner dieser Interpreten das aus was die klassische Musik auszulösen vermag. Als vor kurzem der 333.Geburtstag von Johann Sebastian Bach anstand, widmete ich mich nach langer Zeit mal wieder seinem Werk. Der vielleicht größte Komponist aller Zeiten hat ein Werk hinterlassen, welches seinesgleichen sucht. Eine nicht zu übertreffene Vielfalt. Eine Variation an Gefühlen und Stimmungen die so nie wieder erreicht wurde. Kurzum: Das Werk eines Genies. In der Ausgabe der ZEIT vom ersten April heißt es, dass Menschen die nicht an Gott glauben beim Hören der Werke von Bach religiös werden.

Hören, spielen, lieben, verehren und – das Maul halten!

Am 31. März, dem Geburtstag von Bach, tat ich etwas, das ich auch euch ans Herz legen möchte. Ich nahm mir 15 Minuten meines Lebens Zeit, um mir eines der wunderbarsten und faszinierendsten Werke Bachs komplett und ohne Unterbrechung oder Ablenkung anzuhören. Legt das Smartphone weg. Sucht euch einen bequemen Platz zum Sitzen oder Liegen. Setzt Kopfhörer auf, schließt die Augen und hört euch folgendes Werk an: die Chaconne. Gebt nicht nach ein paar Minuten schon auf. Hört einfach nur zu. Denn wie Albert Einstein schon meinte „Was ich zum Lebenswerk von Bach zu sagen habe: Hören, spielen, lieben, verehren und – das Maul halten!“

Die Chaconne wird oftmals als größtes Werk der Klassik beschrieben. Wer vermag dies schon zu beurteilen, gibt es doch keinen standardisierten Wertekanon oder festgeschriebene Bewertungskriterien. Doch sagte schon Johannes Brahms über die Chaconne „Hätte ich das Stück machen, empfangen können, ich weiß sicher, die übergroße Aufregung und Erschütterung hätten mich verrückt gemacht.“ Mich hat diese Erfahrung nicht kaltgelassen. Die reine Konzentration auf die Musik hat mir Gänsehaut verschafft und ein Gefühl der absoluten Entspannung aber auch Faszination. Bachs Lebenswerk wird nicht umsonst als „ideale Musik“ bezeichnet.

Oftmals wirkt die Menschheit im Jahr 2018 besonders gehetzt, gestresst und rastlos. Vielleicht kann uns Musik aus dem 18.Jahrhundert dabei helfen, wieder bewusst zu konsumieren und das was wir gerade tun auch bewusst wahrzunehmen. Völlig egal, ob diese nun aus der Feder von Johann Sebastian Bach stammt oder von anderen Granden der Klassik wie Beethoven, Mozart, Schubert oder Handel.  Einen Versuch ist es wert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s